Wie oft passiert es, dass einem wirkliche Weltliteratur in die Hände fällt? Ein Buch, das ein bestimmtes Thema behandelt (hier: Folter in den iranischen Gefängnissen in den Achtzigern) und dabei doch allgemeingültig über sich hinaus weist, uns etwas über das Leben, das Menschsein an sich zu sagen hat, und das nicht nur in Form all der damit einhergehenden Grausamkeit, sondern auch mit einem gnadenlosen Humor, der sich über jede Grausamkeit hinwegsetzt, den Folterer und das Regime, dem er dient, zum lächerlichen Kaiser ohne Kleider macht? Wie oft kommt uns ein Buch unter, das formal und sprachlich reine Perfektion ist, ein Erzählen, wie man es vielleicht eine Handvoll mal im Jahrhundert entdecken kann? Ein gewaltiges Buch und eine ebenso gewaltige Übersetzungsleistung von Sarah Rauchfuß, denn in der deutschen Übertragung dieses ambitionierten Romans von Bahram Moradi stimmt einfach alles, die Übersetzung allein ist ein Meisterwerk für sich. Viele gute und sehr gute Bücher habe ich gelesen in diesem Jahr, aber an dieses hier kommt keins davon auch nur ansatzweise ran. Ich schreibe darüber demnächst noch ausführlicher. Für den Moment erstmal einen großen Dank an Weiter Schreiben und den Wallstein Verlag dafür, dass sie dieses Buch möglich gemacht haben – ich hoffe, es werden noch viele von Bahram Moradi auf Deutsch erscheinen. Das ist ein Autor, der in jeden Weltliteratur-Kanon gehört.
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